Corniche

Corniche

Aussicht? Großartig! Wetter? Auch großartig!

Drei Straßen gibt es, die man vom immer warmen und (zumindest gefühlt) eher ariden Nizza ins immer warme und (zumindest gefühlt) ziemlich humide Monaco nehmen kann. Alle drei sind auf ihre Weise herrlich. Und alle drei tragen diesen so bedeutungsvoll auszusprechenden Namen, der zugegebenermaßen nicht zuletzt dadurch an zugeschriebenem Glanz gewann, dass man eines der elegantesten Automobile (wobei wir hier nur von den Serien I-IV sprechen und über alles gegenwärtige und sonstwie so benannte kein Wort verlieren wollen), ebenfalls so nennt: Corniche. Und natürlich war mir auch lange gar nicht bewusst, dass der Wagen tatsächlich nach dieser Art Straße benannt ist! Eine gewundene, dem natürlichen Verlauf der Küste und der darüber mehr oder minder steil aufragenden Felsen folgende Küstenstraße, eher schmal und älter als neu und breit ausgebaut, und eher fahrerische Aufmerksamkeit fordernd, denn sich als Trägheit förderne Aussichtsplattform darbietend. Wobei Trägheit und Aussicht in ihren drei unterschiedlichen Varianten auch unterschiedlich stark ausgeprägt sind: Ganz unten die Basse Corniche, vom Hafen von Nizza aus sich dicht an die Küstenlinie schmiegend, zu weiten Teilen dicht an den Eisenbahnschienen geführt, durch Villefranche hindurch, am Cap Ferrat vorbei und hinter Beaulieu und Cap d’Ail irgendwie immer im grässlichen Tunnelsystem Monacos endend. Auf halber Höhe die Moyenne Corniche, breit und gut ausgebaut (und sogar mit Möglichkeiten versehen, anzuhalten und ein Foto zu machen….), und vor dem Bau der Autobahn (für die in Frankreich – man muss es sagen – das denkbar teuerste und unsinnigste Mautsystem besteht) die wichtigste Straße zwischen Nizza und allem, das weiter im Osten liegt. Und schließlich die Grande Corniche, die im eigentlichen Wortsinn weniger groß als vielmehr großartig ist: In erstaunlicher Höhe über dem stets niedriger als wirklich entfernt wirkend liegenden Meer in den Felsen getrieben und an besonders knappen Stellen durch immer noch solide scheinende, über zweihundertjährige Unterbauten abgestützt, nicht besonders breit und von ausreichend unübersichtlichen Kurven durchsetzt, um die Bremsen ordentlich beanspruchen zu müssen, mit sporadischer Bebauung und gelegentlichen Abzweigungen, La Turbie als einzig echte Ortschaft passierend, und sich schließlich, oberhalb der Bucht von Rocquebrune, mit einem Ausläufer der Moyenne Corniche vereinigend. Einzig schade: Für ein Picknick mit kaltem Hühnchen und Bier oberhalb von Beaulieu besteht heute keine Möglichkeit mehr, und auch an das Kurvenrennen zwischen dem silbernen 1963er Aston Martin DB 5 und dem Ferrari 355 mit dem gefälschten Kennzeichen konnte ich mit meiner alten Mühle nicht heranreichen. Großartig war es trotzdem!

Nizza

NizzaMörderisch wirkender, schier unglaublicher Straßenverkehr hin oder her: Nizza ist eine großartige Stadt. Zumal, wenn man nicht mittendrin steckt, sondern weiter oben, in den Hügeln, über ihren Dächern gleichsam (das ist, zugegeben, ein billiger Scherz, denn der Film spielt schließlich mehrheitlich in Cannes und Monaco) nur noch das ferne Rauschen der Hochstraße vernimmt, die in Nizza trotz ihrer erstaunlicher Hässlichkeit doch immer noch mehr Charme besitzt als etwa jene, auf der man so wunderbar schnell über Ludwigshafen hinweg kommen kann. Interessanterweise ist die Verbindung zwischen beiden Städten übrigens eine doppelte: letzterer Namenspatron, Ludwig I. von Bayern, starb in Nizza. Aber das ist lange her, und es spielt auch keine große Rolle für das, was Nizza mir eine Woche lang war: Ein wunderbar urbaner Ort mit allen Annehmlichkeiten, die urbane Orte normalerweise zu bieten haben, gleichzeitig aber perfekt gelegener Ausgangsort für Ausflüge an die eigentliche Côte-d’Azur und ihren italienischen Appendix, die Riviera dei Fiori. Und natürlich: Herrliche, alte Hafen- und Küstenstadt mit ihrem unendlich langen, dafür nicht besonders feinsandigen (vielmehr: grobsteinigen) Strand und wahrscheinlich der Strandpromenade schlechthin: Der Promenade des Anglais. Und natürlich der Place Massena, dem alten Hafen, dem Felsen mit der Ruine des Château de Nice, der eigentlichen Altstadt, dem Matisse-Museum und dem Musée des Beaux Arts. Und dem Cap Ferrat, Monaco, der Grande Corniche und Monaco im Osten, und Antibes, Cannes und Saint-Tropez im Westen.

Promenade des Anglais

Jemand meinte mal, wenn, dann könne man nur auf der Promenade des Anglais Navyblazer und weiße Hosen tragen, ohne wie eine Karikatur zu wirken. J’avais un doute….

Oh, ach ja, der Verkehr: Ist gar nicht mehr so schlimm, wenn man erst einmal den Dorsaltunnel in Monaco am späten Nachmittag erlebt hat oder von einer Kolonne eiligster Kleinwagenfahrer über die Grande Corniche gescheucht wurde. Und natürlich sollte man nicht hinfahren, wenn in Frankreich Schulferien sind…