Wie man eine anständige Sauce macht.

Wie man eine anständige Sauce machtDass die Sauce unbedingt zum Braten gehört, ist nicht nur allgemein bekannt, es wird meist auch allgemein erwartet. Umso erstaunlicher scheint dafür, dass es oft schon bei den Begrifflichkeiten Schwierigkeiten gibt. Dabei ist das Gute vom Bösen hier so einfach zu unterscheiden wie sonst nur bei Apfelbäumen in Paradiesgärten: Die Sauce ist das Gute, Feine, Begehrte, voller geschmacklicher Reichtümer, dafür aber frei von Klebrigkeit, Klumpigkeit und anderen Hässlichkeiten. Ihr gegenüber, buchstäblich auf der dunklen Seite: Die Soße. Undurchsichtig, pampig, mit Mehl- und Hefenoten, voller laffer Dosenpilze und urinfarbener Fettaugen in Vollmondgröße, vor allem aber von so hoher Oberflächenspannung, dass sie manchmal gar wie eine bräunlich verdichtete Vorstufe zum Wackelpudding wirkt, und nach deren Verzehr sich gar nicht so selten eine gewisse Pelzigkeit auf der Zunge und eine gewisse Blutleere in den vorderen Hirnlappen einstellt. Oder, um die ganze Unterscheidung einfacher zu halten: Die Sauce ist, was man persönlich und unter Zuhilfenahme einer nicht zu knappen, aber meist sehr vertretbaren Menge Zeit sowie frischer, natürlicher Zutaten und Vorprodukten aus ebensolchen unter Inkaufnahme möglicher Resultatsrisiken herstellen kann. Die Soße dagegen, so viel sei ihr zugestanden, misslingt selten, liegt doch bereits ihr Idealzustand so sehr außerhalb alles Genießbaren, dass man sich innerhalb des Schlechten keine Gedanken mehr über weniger schlecht und noch schlechter machen muss. Denn natürlich gibt es keinen guten Geschmack im schlechten. Weiterlesen